Wenn man nicht mehr zwanzig ist, wird es nicht unbedingt leichter, eine Bar zu finden, die gleichzeitig angemessen, angenehm und heimelig ist. Vielleicht hilft es ja zu wissen, was man sucht.
Regel Nummer 1: Ihre Lieblingsbar aus Studententagen ist tabu. Ja, auch dann wenn Sie den Barkeeper noch kennen und nirgendwo sonst in Ihrer Stadt, ach, auf der Welt das Bier so frisch und die Drinks so gut gemixt sind. Und egal, ob die alte Kutte noch passt: Sie sind raus. Sie haben da nichts mehr zu suchen. Wirklich nicht. Auch dann, wenn Sie es nicht merken, gemerkt haben oder nicht merken wollen: die Zeiten sind vorbei. Was ja nicht gleich heißen muss, dass man auf dem Sofa bei Wetten Dass einschlafen oder romantische Komödien als einzige Abendunterhaltung akzeptieren muss. Im Gegenteil.
In immer mehr deutschen Großstädten gibt es nämlich Bars, die sich gar nicht an das junge, aber latent klamme Publikum richten. Und das sind nicht mehr nur, wie vor wenigen Jahren, Hotelbars – sondern zunehmend richtig gute, kleine Bars mit Charme und Charakter. In Berlin, und da kenn ich mich eben aus, gibt es von dieser Sorte Bar in fast jedem Stadtbezirk zumindest eine – im Prenzlauer Berg ist das Beckett’s Kopf, in Wilmersdorf der legendäre Rum Trader (der so großartig ist, dass man ihn besser verschweigen sollte), in Kreuzberg liegt man mit dem Würgeengel und dem Kirk nicht ganz falsch. Keine Sorge: Diese Bars sind samt und sonders keine Refugien alternder Casanovas, das Publikum ist erwachsen, aber nicht alt, die Getränke bestechen durch durchweg hohe Qualität und falls Sie Abwechslung zu Ihrer Frau suchen, hier finden Sie sie (selbstverständlich sprechen wir vom Anblick der Visage und von nichts mehr).
Falls Sie das Pech haben, nicht in Berlin zu wohnen – machen Sie sich schlau. Und im Zweifelsfall tut es, zumindest im Sommer und wenn die Frau außer Haus ist, vielleicht auch die Kombination aus heimischer Veranda und gut sortiertem Spirituosenschrank. Was in den gehört – das in Bälde.







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